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Vorsicht Sommerferien!

Bei uns in der Schweiz ist der Begriff weniger geläufig, im nördlichen Nachbarland Deutschland schon noch: „Sommerfrische“. Bereits die Brüder Grimm (sie waren übrigens Sprachwissenschaftler, nicht die Verfasser der Märchen, sondern Sammler derselben) haben diesen Begriff in ihrem Wörterbuch festgehalten als „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Land in der Sommerzeit“.

 

Wer soll das bezahlen?

Aus der Antike liegen uns Berichte vor, dass Menschen aus dem blaublütigen Adel im heissen Sommer ihren Wohnsitz gewechselt haben. Das waren aber keine Ferien, wie wir sie heute verstehen, denn man hat am zweiten Wohnsitz einen landwirtschaftlichen Betrieb geführt (=zweites Standbein). Später, als die Städte aufblühten, besassen die Reichen eine Sommerresidenz. Die Industrialisierung ermöglichte auch den einfacheren Bürgern, also den indirekten Geldgebern der Reichen, „Ferien“, wenn nicht ein eigenes Ferienhaus, so doch Aufenthalte in einer Herberge, einem Hotel oder in einer gemieteten Wohnung. Die Eisenbahn im 19. Jahrhundert (be-) förderte zudem eisern die Reise- und Ferienfreu(n)de.

Scheuklappen auf dem Asphalt

Heute bevorzugen viele irdische Zweibeiner abgehobene Flugzeuge und Autos inkl. Lärm- Körper- und Umweltbelastungen. Die verrauchten Touristen husten darauf. Viele reiben sich die Beine ein, um bei den langen Flugstunden eingepfercht auf fünfunddreissig Quadratzentimetern die Freiheit unter, in oder über den Wolken grenzenlos zu erleben. Oder zu erleiden. Zum Glück entdecken andere immer-mehr-prämienzahlende und gesunde Menschen wieder das Velo: Die frische (verpestete) Luft, die einem um den Kopf und um das Herz weht, weckt lustvolle Lebensgeister. Mit Rückenwind schwebt man geräuschlos auf der Brücke über die Blechlawine hinweg und winkt den rotköpfigen, zeittotschlagenden und schwitzenden Opfern lächelnd zu. Man sieht unerwartete und wunderbare Naturerscheinungen, beschauliche Orte, reizvolle Landschaften, farbige Blumen, seltene blau-rote Eisvögel, tanzende heiratswillige Hasen und mystisch-verträumt-dreinschauende Rehe, die einem mit unschuldigen Augen bewundern, geheimnisvolle Gärten, die jedem starrsinnigen sich auf die monoton grauen Strassen verengten Autobahnfahrer für immer und ewig verborgen bleiben. Wir haben im CH (in einigen Kantonen) ein gut ausgebautes Velowegnetz. Hurra!

Frischfleisch und Abkühlung

Wenn Sie dann mit Ihrem geliebten Fahrrad, das Sie bald heiraten können, wenn die Ehe für alle(s) auch bei uns kommt, durch die verkehrsfreie Innenstadt schlendern, dabei sich durch die Düfte inspirieren lassen, sich so auf Ihr kommendes Mittagessen einstimmen und freuen, dann werden Sie bald vergessen, dass gerade in dieser Zeit die Autoliebhaber unter Stress einen Parkplatz suchen. Sie aber setzen sich an einen der letzten freien Plätze und bestellen sich einen Prosecco, schauen dabei schon bald völlig entspannt eben den Motorbetreibern zu, die zu spät gekommen sind, sich nun eine halbwarme aufgetaute Pizza im Stehen von der Imbiss-Bar in den Kopf drücken müssen und neidisch auf Ihren durch Sie besetzten Stuhl glotzen.

Dann setzen Sie sich wieder schwungvoll auf Ihr Rad, überholen nochmals die im Stau oder vor den Rotlichtern der Baustellen stehenden Artgenossen, entdecken weiterhin staunend die unzähligen Kostbarkeiten der näheren Umgebung und geniessen diese ohne lange und mühsame Suche des Autos, ohne Bezahlung der überzogenen Parkgebühren. Sie erfrischen sich schon bald wieder, sei es auch „nur“ bei einer fast geschenkten kohlensäurehaltigen kühlen Hopfen-Malz-Mischung im Biergarten. Schweizerisch: „Im Schrebergartä e Stange sufa“ ;-) Sie haben es sich verdient! Prost!

Vaterland

In unserem sicheren und frommen Vaterland besteht übrigens nicht die Gefahr, dass Sie beim morgendlichen Schwimmen von einem hungrigen und stets grinsenden Alligator als Frischfleisch zum Frühstück verspeist werden. Sollten Sie jedoch einmal von einem jungen und verspielten, fröhlich-spontanen oder frisch verliebten einheimischen Hecht in der Aare oder im Bielersee ins Füdli gezwickt werden: Er meint es nicht böse… Oder ist das gar sein Kompliment für einen durch das Velofahren durchtrainierten und straffen Körperteil? So oder so: Schöne Ferien!

 Ihr Pfr. Urs-Beat Fring